Verkehr & Tourismus

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Aida Cruises ist seit dem Jahr 2004 Teil des Carnival-Konzerns und agiert als Reederei und Veranstalter primär am Hauptsitz in Rostock. In Hamburg befindet sich die Abteilung Aida Entertainment, welche für das Unterhaltungsprogramm auf den Schiffen verantwortlich ist.

Mit Michael Ungerer an der Spitze und 6.000 Mitarbeitern (davon 5.200 an Bord) werden derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe betrieben. Bis zum Jahr 2016 werden noch zwei weitere dazukommen. Aida Cruises kooperiert mit über 15.300 Geschäftspartnern weltweit, um die rund 652.800 Gäste im Jahr zufrieden zu stellen.

Seit 2007 wird jährlich nach dem Standard der Global Reporting Initiative (GRI) Version 3.0 ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Aus ökologischen Gründen erfolgt dies ausschließlich online. Darin berücksichtigt werden die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die Kategorie Ökologie befasst sich primär mit dem Thema Umweltschutz und Ressourcenschonung. Die Strategie des Unternehmens ist es, Umweltschutzmaßnahmen für eine intakte Umwelt durchzuführen und dadurch die Meere sowie Luft sauber zu halten und die biologische Vielfalt zu schützen. Darüber hinaus sind vorausschauendes Handeln sowie Investitionen in effizientere Technologien und eine effektive Ressourcennutzung essentiell. Eine enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung sind dabei sehr wichtig. Aida Cruises möchte Vorreiter in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht sein. Seit 2006 wird neben eigenen Managementsystemen zudem ein integriertes Managementsystem (IMS) verwendet, welches sich nach anerkannten Umweltstandards an vorgegebene Prozesse richtet. Das nach der ISO-Norm DIN EN ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagementsystem hat beispielsweise zum Ziel, Mensch und Umwelt zu schützen und die Umweltleistungen stetig zu verbessern. Dadurch werden die Ökoeffizienz gesteigert, Ressourcen geschont, Kosten reduziert, Abläufe transparenter gemacht und Umweltschäden vermindert bzw. vermieden. Anhand von Bestandsaufnahmen werden entsprechende Maßnahmen entwickelt, welche mit Hilfe von Umweltoffizieren an Bord umgesetzt werden.

Monika Griefahn, ehemalige niedersächsische Umweltministerin und Greenpeace-Mitbegründerin, ist seit Mai 2012 Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises. Sie trägt die Verantwortung für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie, der Öffentlichkeitsarbeit sowie den Dialogen mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Umweltorganisationen. Aida ist zudem an Forschungsprojekten zur Entwicklung neuer Technologien in der Kreuzschifffahrt beteiligt. Durch technische Innovationen oder durch Nutzung alternativer Energien sollen Schadstoffemissionen, wie Schwefel-, Stickstoffoxide oder Feinstaub, reduziert werden. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch je Schiff liegt bei drei Litern je 100 Personenkilometer (Stand 2012).

Seit 2007 konnte dieser Wert bereits um 18,2 Prozent gesenkt werden und weitere Einsparungen werden angestrebt. In Anbetracht der restlichen Fallbeispiele ist dieser spezifische Verbrauch ein guter Wert, der durchaus mit der ökologischen Bahn im Fernverkehr bzw. dem Reisebus mithalten kann. Allerdings gilt es, ebenso die Schadstoffemissionen mit einzubeziehen, welche bei den Kreuzfahrtschiffen sehr hoch ausfallen. Einsparpotenzial für einen geringeren Verbrauch birgt beispielsweise eine langsamere Reisegeschwindigkeit, welche bereits auf vielen Strecken praktiziert wird. Des Weiteren verhilft ein effektives Routenmanagement mit optimierten Fahrplänen und Liegezeiten zu geringeren Verbrauchswerten. Denselben Effekt haben ein optimiertes Rumpf- und Propellerdesign sowie ein Unterwasseranstrich auf Silikonbasis. Letzterer verursacht weniger Reibung und wird bereits auf allen Schiffen der Flotte verwendet. Dadurch wurden bereits drei Prozent des Treibstoffs in 2012 gespart. Während der Zeit im Hafen wird zur Versorgung an Bord, sofern es die Möglichkeit an den Anlegestellen gibt, der ökologischere Landstrom verwendet. Entsprechende Häfen werden bevorzugt. Alternativ zum Landstrom gibt es seit 2012 ein Pilotprojekt zur Stromversorgung der Schiffe im Hamburger Hafen. Die Energie kommt dabei aus einem schwimmenden Gaskraftwerk, der sogenannten LNG Hybrid Barge. Diese ist flexibel einsetzbar und versorgt die Kreuzfahrtschiffe durch Flüssiggas (LNG = Liquified Natural Gas) mit Energie. Dadurch werden weniger Schadstoffe freigesetzt. Es entstehen keine SOx- oder Rußpartikelemissionen, der NOx-Ausstoß reduziert sich um 80 Prozent und die CO2-Werte fallen um 30 Prozent.

AIDAsol wird ab 2014 als erstes Kreuzfahrtschiff mittels einer LNG Hybrid Barge mit Strom versorgt. Dieses innovative Konzept erhielt bereits im Februar 2014 eine Auszeichnung. Der BSCM Award (Baltic Sea Clean Maritime Award) würdigt die Bemühen hinsichtlich der Emissionsreduktion bzw. -vermeidung des Schiffsverkehrs im Ostseeraum. Weitere ökologische Ansätze stellen Dual-Fuel-Motoren dar, welche Flüssiggase verarbeiten. Diese können allerdings zunächst nur während der Liegezeit genutzt werden, da Flüssiggas bislang noch nicht auf Schiffen gelagert werden darf. Ab 2015 wird die gesamte Flotte mit diesen Motoren ausgestattet. Bei den beiden neuen Schiffen in den Jahren 2015 sowie 2016 wird zudem die MALS-Technologie (MALS = Mitsubishi Air Lubcrication System) zum Einsatz kommen. Energie wird hierbei durch verbesserte Strömungseigenschaften und geringerer Reibung eingespart. Der Treibstoffverbrauch kann dadurch um weitere sieben Prozent reduziert werden. Durch den Einsatz von schwefelarmen Brennstoff wie Diesel mit einem Schwefelanteil von maximal 0,1 Prozent, konnten die Schwefelemissionen bereits um 90 Prozent reduziert werden, was zu geringerer Luftverschmutzung führt. Schwefelarmen Treibstoff gibt es jedoch nicht überall in ausreichender Menge, deshalb bemüht sich die UN-Schifffahrtsorganisation IMO sukzessiv ausreichenden Vorrat zu erreichen durch beispielsweise der Umrüstung bestehender Anlagen.

Trotz sämtlicher Bemühen zeichnete der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Kreuzfahrunternehmen Aida und Tui Cruises 2011 mit dem Negativ-Umweltpreis „Dinosaurier des Jahres“ aus. Ausschlaggebend dafür war, dass obwohl sich die Unternehmen als ökologisch präsentieren, noch keine Rußpartikelfilter eingebaut sind oder überwiegend Dieselantrieb verwendet wird, sondern die Schiffe meist noch mit giftigem Schweröl fahren. Dem Naturschutzbund zufolge hat ein Schiff den gleichen Schadstoffausstoß wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke. Folgen der umweltschädlichen Antriebsweise reichen von überdüngten Meeren und versauerten Böden hin zu vorzeitigen Todesfällen. Als weiterer Schwachpunkt werden zudem die mangelnden politischen Vorgaben und Grenzwerte für Schadstoffemissionen genannt, welche z. B. im Landverkehr eingehalten werden müssen.

Diese Aussagen des Naturschutzbundes werden jedoch immens kritisiert. So ist Schweröl in europäischen Häfen bereits verboten und bis 2020 sogar weltweit. Zudem sind Rußpartikelfilter derzeit noch nicht serienreif für Kreuzfahrtschiffe. Ein Antrieb mit Diesel ist ebenfalls noch nicht ohne weiteres einsetzbar, da dies noch mit hohen Kosten verbunden ist. Der Schadstoffausstoß eines Schiffes kann darüber hinaus nicht mit fünf Millionen Pkw verglichen werden. Vielmehr verbraucht ein neues Kreuzfahrtschiff pro Person rund ein Drittel der Energie eines Kleinwagens. Jedoch werden hierbei die Schwefelemissionen nicht berücksichtigt, die im Gegensatz zu Autos bei der Schifffahrt anfallen. Aus diesem Grund ist eine direkte Gegenüberstellung weder sinnvoll noch möglich. Aida Cruises nimmt die Kritik dennoch sehr ernst und geht einen Schritt weiter in Sachen Umweltschutz, um den öffentlichen Druck gerecht zu werden und investiert rund 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2016. In die neuen Schiffe, welche 2015 und 2016 zum Einsatz kommen, wird ein besonderes Filtersystem eingebaut, welches Schadstoffemission reduziert. Seit Oktober 2013 wird ferner die bestehende Flotte nachgerüstet. In drei Stufen werden zunächst Stickoxide zu 95 Prozent gebunden, dann 90 Prozent der Rußpartikel entfernt sowie 99 Prozent der Schwefeloxide herausgewaschen. Das Filtersystem funktioniert sowohl wenn die Schiffe mit Marinediesel als auch mit Schweröl angetrieben werden. Erste Tests wurden bereits erfolgreich absolviert.

Im September 2013 verlieh der TÜV Süd den Green Fleet Award 2013 an Aida Cruises für ihr umweltfreundliches Flottenmanagement. „Effiziente und umweltfreundliche Mobilitätskonzepte sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Engagements für den Umwelt- und Klimaschutz.“, betont Monika Griefahn. Das nachhaltige Mobilitätskonzept umfasst dabei einen ökologisch nachhaltigen Fuhrpark mit emissionsarmen Autos und Elektroautos ebenso wie Car-Sharing und Firmenfahrräder. Zu nennen ist ebenfalls die geringen durchschnittlichen Verbrauchswerte von drei Litern je 100 Personenkilometer.